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Was ist eigentlich "Schlaffhorst-Andersen"?
"Schlaffhorst-Andersen" kommt von Clara Schlaffhorst (1863-1945) und Hedwig Andersen (1866-1956). Die beiden Frauen, Gesangspädagogin die eine, Pianistin die andere, verband eine lebenslange Freundschaft - und ein gemeinsames Lebenswerk. Ursprünglich litten beide selbst an Stimm- bzw. Atemproblemen. Auf der Suche nach Linderung stießen sie auf die Arbeiten von Leo Kofler, dessen Buch "Die Kunst des Atmens" sie 1897 aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzten. Aus der Beschäftigung mit dem Koflerschen Werk entwickelten Schlaffhorst und Andersen einen eigenständigen Ansatz der Atem- und Stimmschulung. Fortan trugen sie Reformkleider und begannen gemeinsam als Pädagoginnen zu wirken, ab etwa 1910 bauten sie ihre Lehrtätigkeit im Berlin der Gründerzeit aus. Übergänge zwischen Pädagogik und Therapie waren dabei immer fließend, sie behandelten Menschen mit Asthma, Stimmstörungen und Stottern ebenso wie sie Gesangs- und Sprechunterricht erteilten. 1916 gründeten sie eine eigene Ausbildungsstätte in Rotenburg/Fulda, die später nach Hustedt/Südheide (1926-1942) bzw. Seefeld/Pommern (1942-1945) verlegt wurde. In den Kriegswirren gingen viele Dokumente über die Lehrtätigkeit der beiden Frauen verloren. Nach dem Tod von Clara Schlaffhorst löste sich die Schule zunächst auf. Ehemalige Schülerinnen der beiden Damen setzten dann jedoch die Arbeit ab 1949 in Lieme (Lippe) und von 1961 bis 1984 in Eldingen fort. Seit 1984 wird die Methode in der CJD-Schule Schlaffhorst-Andersen in Bad Nenndorf gelehrt. Die Ausbildung der Schule führt heute zum Abschluss „Staatlich geprüfte(r) Atem-, Sprech- und Stimmlehrer(in)“. ![]() In der Stimmtherapie nach Schlaffhorst und Andersen ist die Atmung von zentraler Bedeutung, besondere Beachtung findet der dreiteilige Atemrhythmus. Das von Schlaffhorst und Andersen entwickelte "Schwingen", eine Art Heilgymnastik, zielt auf die ganzkörperliche Tonusregulierung und die Gesundung und Entfaltung der Atmung. Weitere, spezifische Arbeitsansätze wie das "Tönen", eine Stimmübung, ermöglichen einen physiologischen und regenerierenden Stimmgebrauch. Atmung und Stimme werden als funktionelle Einheit betrachtet und dementsprechend in allen Übungsansätzen aufeinander bezogen. Auch bei der Arbeit an Sprechtexten und Gedichten wird entsprechend verfahren. Neben physiologischen Aspekten werden grundsätzlich auch ästhetische und psychologische Belange beachtet. Der "Charakter" des jeweiligen Sprechtextes oder Gesangsstückes wird bei der Auswahl des Übungsansatzes ebenso beherzigt wie die individuellen Ressourcen des Übenden. Dass Stimm- und Sprechschulung auch die Persönlichkeit des Menschen zu berücksichtigen und zu fördern habe, war für Schlaffhorst und Andersen selbstverständlich. Eine Sichtweise, die in aktuellen Gesangs- und Sprechdidaktiken gerade wiederentdeckt wird. "Erst kommt der Mensch, dann kommt die Kunst"! Dieser Satz, der Clara Schlaffhorst zugeschrieben wird, verdeutlicht das Arbeitsprinzip der beiden Frauen auf prägnante Art. Er beschreibt eine konsequent ganzheitliche Arbeitsweise, die der psycho-physischen Entfaltung des Individuums den Vorrang vor normativ-ästhetischen Ansprüchen einräumt. |
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